Wer hat den Besten? Die Gutschein-Schlacht im Internet

Gutscheine sind nicht nur als Geburtstagsgeschenke beliebt, die nur ein ganz kleines bisschen kreativer sind als reine Geldspenden. Auch im Online-Shopping spielen sie inzwischen eine große Rolle. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt – das Gutscheine-Verschenken ist längst elementarer Bestandteil des Geschäfts der Online-Händler geworden. Es geht um clevere Kundenbindung, ohne dass Sie es bemerken. Wer ein wenig aufpasst, kann dank der Bonuscodes trotzdem eine Menge Geld sparen.

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Ein Kostenloser 500-Euro Amazon-Gutschein! Nur ein paar Klicks entfernt! Das glauben Sie nicht? Gut so. Denn bei einer Anzeige wie dieser, die in der Vergangenheit vor allen Dingen im Sozialen Netzwerk Facebook aufgetaucht ist, handelt es sich um nichts weiter als einen platten Betrugsversuch. Wer das Angebot anklickt, wird zunächst aufgefordert, es mit seinen Freunden zu teilen. Als nächstes wird man umgeleitet auf eine Seite, auf der persönliche Daten abgefragt werden. Trägt man diese ein, gibt man sie nur an die Betrüger weiter. Den versprochenen Gutschein bekommt man dafür natürlich nicht.

Diese und andere Betrüger machen sich einen Trend zunutze, der immer weiter um sich greift: Gratis-Gutscheine, Neukunden-Rabatte oder Bonuscodes sind im Netz mittlerweile gang und gäbe. Gerade beim Shopping ist es für den Deutschen Verbraucher mittlerweile zur Gewohnheit geworden, sich aktiv nach den besten Sparangeboten umzusehen. So suchen nach einer Studie 33 Prozent der Internet-Einkäufer zwischen 18 und 39 Jahren bereits nach Spar-Coupons, bevor sie überhaupt wissen, was sie kaufen wollen. Über die Hälfte achtet darauf, wenn sie den besten Shop auswählen muss, und 79 Prozent der jungen Konsumenten sind stolz darauf, wenn sie beim Einkauf bestmöglich gespart haben.

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Es geht um Neukunden-Werbung und Kundenbindung

Auch Wettanbieter versuchen, ihre Kunden mit Bonusangeboten zu locken. Besonders auf Neukunden haben die Anbieter es abgesehen – sie werben mit Startguthaben oder saftigen Bonuszahlungen, die sie auf ihr Konto bekommen. Der Trick ist meist folgender: Bei Ihrer Registrierung bekommen Sie auf Ihre erste Einzahlung nochmals bis zu 100% des eingezahlten Betrages auf ihr Konto gutgeschrieben – der Wettanbieter verdoppelt also ihre Einzahlung. Bei den meisten Wett-Portalen gibt es aber eine Obergrenze, oft um die 100 Euro. Mehr wird nicht bezuschusst. Das verleitet natürlich dazu, möglichst viel einzuzahlen, denn umso mehr legt der Buchmacher drauf. Einen Haken gibt es an der Sache aber noch: um mit dem Bonus spielen zu können, muss man, zum Beispiel beim britischen Anbieter Bet365, die eingezahlte Summe zunächst einmal komplett einsetzen. In echtem Geld ausbezahlt bekommt man seinen Kontostand zudem erst, nachdem man beide Summen je mindestens dreifach umgesetzt hat, und das mit der Mindest-Quote vom 1:1,5 – all das meist innerhalb einer bestimmten Frist. Einfach einzahlen, das Geld verdoppeln lassen und dann wieder auszahlen lassen, wie es sich so mancher schlauer Nutzer möglicherweise denkt, geht also nicht.

Bei Gutscheinen und Rabatten geht es, wie bei den Wettanbietern, auch für die Online-Shops vor allem um Neukundengewinnung sowie Kundenbindung. Weil der Trend dahingeht, dass das beste Angebot wieder deutlich wichtiger als etwa Markenbindung ist, liefern die Online-Läden sich ein regelrechtes Wettbieten im Werben um die Kaufkraft der Kunden. Hat sich der Kunde auf ein Angebot eingelassen und erstmals in einem Online-Portal bestellt, hat er sich dabei meist auch im System des Versandhandels registriert. Fortan bekommt der Kunde, sofern er die Newsletter nicht abbestellt, immer die neuesten Sparangebote per E-Mail, oder den Hinweis, dass auf seinem Kundenkonto schöne Gutschriften vorhanden sind, die er natürlich nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einlösen kann.

Vergleichs- und Gutscheinportale: Ein neues Geschäftsfeld

Für die Sparfüchse unter den Online-Käufern ist die Suche nach dem besten Angebot nicht einmal sonderlich aufwändig: Es gibt Vergleichsportale, die verschiedene Anbieter nach dem besten Preis absuchen. Und es gibt ganze Gutscheinportale, die sich nur dem Anbieten von Bonuscodes und Rabattgutscheinen widmen. Allein mit dem Betreiben solcher Portale lässt sich eine Menge Geld verdienen: Die Betreiber kassieren Provision von den Online-Händlern, wenn sie denen Kunden generiert haben.

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Während Gutscheine sich beim Online-Einkaufen auf dem Desktop-PC oder dem Tablet schon fest etabliert haben, werden sie auf Smartphones noch nicht so sehr genutzt. Das soll sich allerdings ändern, wenn es nach den Marketing-Agenturen geht: Die Gutscheine sollen für das Smartphone salonfähig werden. Allerdings müssen die Angebote auf die besonderen Bedingungen der Smartphone-Nutzung zugeschnitten werden. Da sie meistens unterwegs verwendet werden, bleibt meist nicht viel Zeit, sich dem gemütlichen Einkaufen zu widmen, das muss bei der Gutschein-Anpassung berücksichtigt werden. Für die Smartphones könnte die Gutschein-Kultur dank eines alten Prinzips eine neue Dimension erreichen: Da die Geräte in der Regel dabei sind, wenn der Nutzer einkaufen geht, könnten auch E-Coupons für Supermärkte oder den Einzelhandel interessant werden – ähnlich der kleinen Rabatt-Gutscheinchen, die früher noch aus Zeitungen ausgeschnitten werden mussten.

Der Auslöser für das Wettbieten: Die Abschaffung des Rabattgesetzes

Überhaupt erst möglich gemacht wurde die Rabatt-Schlacht der Internet-Händler durch die Abschaffung des sogenannten Rabattgesetzes im Jahr 2001. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Rabatte streng reglementiert, durften meist nur unterhalb der 3-Prozent-Marke liegen. Viele Händler hatten bei Auflösung des beinah 70 Jahre alten Gesetzes Angst vor dreisten, feilschenden Kunden. Allerdings ist es anders gekommen – die Feilschenden sind vielmehr die Unternehmen, die den Kunden mit teilweise absurden Rabatten anlocken wollen. Das in etwa gleichzeitige Aufkommen des Internet-Shoppings hat auch nicht gerade zu einer Beruhigung der Rabatte-Jagd beigetragen, genauso wenig wie die Aufhebung der Regelungen für Sommer- und Winterschlussverkauf 2004. Die Begriffe WSV oder SSV tauchen seitdem zwar immer noch auf, haben aber stark an Bedeutung verloren – Händler können nun ihre Rabattaktionen auf das gesamte Jahr verteilen.

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Profitieren tut am Ende der Verbraucher: Wer die Gutscheinangebote und Bonuscodes clever einsetzt, kann eine Menge Geld sparen. Nicht nach Rabatten oder zumindest nach dem besten Preis Ausschau zu halten, ist aus Käufersicht geradezu fahrlässig. Immerhin gibt es im Netz hunderte Angebote, die dabei helfen, die Rosinen herauszupicken.

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