Samstagnachmittag spielten sich in Bad Lausick unbeschreibliche Szenen ab. Ein 81-jähriger Rentner brach gegen 14 Uhr auf seinem Spaziergang (vermutlich aufgrund eines Herzinfarktes) zusammen. Nachdem ein Rechtsmediziner die Leiche untersucht und freigegeben hatte, wurde ein Leichenbestatter gerufen. Allerdings kam der gegen 16.30 Uhr ohne Leichenwagen! „Wir hatten Bereitschaftsdienst. Doch unser Bestatterfahrzeug war kurz zuvor zu einem Einsatz nach Leipzig gerufen worden. Ich informierte die Angehörigen des Verstorbenen, dass es daher noch ca. 45 Minuten dauern würde, ich den Toten aber auch in einem Unfallsack mit meinem Golf zum Friedhof fahren könne. Sie stimmten zu. Da bat ich zwei Polizisten, mir bei der Bergung der Leiche zu helfen. Es musste ja wenigstens etwas pietätvoll zugehen.“ So der Leichenbestatter. Ja total pietätvoll. Schon allein die Vorstellung, wie zwei Polizisten und ein Leichenbestatter einen Toten wie einen Gegenstand in den Kofferraum stopfen, ach und vorher noch schnell die Rücksitze umklappen, ist abartig.

Eine Anwohnerin fotografierte die makabere Szene und setzte sich mit der BILD in Verbindung. „So kann man doch nicht mit einem Toten umgehen! Das ist doch pietätlos“ sagte sie darauf. BILD zeigte die Fotos darauf einem Experten vom Sächsischen Landesverband Bestattungswesen. Er reagierte erschüttert: „Ich habe schon viel gesehen, aber so etwas ist mir noch nicht untergekommen. Da wird die Würde des Menschen in einer Weise verletzt, die ihresgleichen sucht. Ein klarer Verstoß gegen Paragraph 17 des sächsischen Bestattungsgesetzes.“ Dieses Gesetz schreibt vor, dass Verstorbene nur in dafür vorgeschriebene Leichenwagen transportiert werden dürfen. Man hätte also warten müssen, bis ein entsprechendes Fahrzeug zur Verfügung steht. Oder man ruft einfach ein anderes Bestattungsunternehmen an..

Einfach unglaublich. In unserer Gesellschaft ist, traurig aber wahr, alles möglich. Wie können denn die Angehörigen des Verstorbenen diesem Vorgang zustimmen? Die dreiviertel Stunde hätten sie auch noch warten können. Immerhin (so blöd wie es klingt) tut ihnen der Tote ja nichts mehr. Erben wollen sie schließlich alle. Da stellt sich doch die Frage, wie viel war ihnen der Opa, Vater und Bruder zu Lebzeiten wert?

SchnäppchenDealer

6 Comments on Unglaublich: Polizei und Leichenbestatter stopfen Toten in einen Golf

  1. Ohmann, da dacht ich, ich seh nicht recht oder es wäre ein Joke. Hammerhart was sich manche so erlauben und den Cops würde ich aber einen Überbügeln. Zusätzlich ne Anzeige an den Bestatter. Sollte auch ein Polizist wissen, dass es für den Transport von Leichen, gewisse Vorschriften gibt.

  2. Mein Vorschlag ist der, dass Du Deinen letzten Absatz noch einmal überarbeitest, denn darin wirst Du zu dem was in deinem Artikel angeprangert wird: – pietätlos.
    Sicher ist dies alles sehr skuril und div. Beteiligte haben einiges falsch gemacht, aber hätte die Leiche eine 3/4h oder länger gelegen, so hätte dies auch in der Bildzeitung gestanden.
    Bitte versteh mich nicht falsch, ich teile Deine Meinung, dass es leider viele Menschen gibt, die Ihre älteren Angehörigen in ein Heim stecken und nur noch auf deren Ableben warten, doch weißt Du nciht, ob dies hier auch der Fall ist.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jobrain

  3. Richtig Jobrain,

    ich fände es schlimmer wenn er da noch ewigkeiten rumliegen würde und vieleicht noch Schaulustige anlockt.

  4. Ach Mensch da habt ihr aber was falsch verstanden 🙂 Ja der alte Herr hatte zwar einen Spaziergang gemacht und ist auf der Straße zusammengebrochen, aber deswegen lag er ja nicht die ganze Zeit auf der Straße. Es kommt doch kein Arzt und untersucht einen Verstorbenen auf der Straße. Er war natürlich im Haus (hätte ich vielleicht mit dazu schreiben sollen). Wäre er mein Opa gewesen hätte ich darauf bestanden, dass ein ordentliches Fahrzeug geholt wird und da hätte mich eine dreiviertel Stunde nicht gestört. Ich wollte auch nicht pietätlos klingen, ich hab quasi in meinem letzten Absatz das geschrieben, was sich mit Sicherheit viele Menschen gedacht haben, als sie den Artikel in der Bild gelesen haben.

  5. Ich stimme dir voll und ganz zu, Josi. Sicher hättest du schreiben können, dass der ältere Herr ins Haus gebracht wurde. Aber es gebietet doch auch die Logik, dass ein Verstorbener nicht auf der Straße liegen bleibt um vom Arzt untersucht zu werden. Also Jobrain und Kulmaro, erstmal ein bissl nachdenken, bevor man solch einen „qualifizierten“ Kommentar abgiebt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.