Beim Deutschen Fernsehpreis beschwerte sich Literaturguru Marcel Reich-Ranicki lauthals über die deutsche Fernsehlandschaft, als er für sein Lebenswerk und für die Literatursendung „Das Literarische Quartett“ ausgezeichnet werden sollte. So ganz Unrecht hatte er dabei ja nicht. Thomas Gottschalk konnte eine komplette Eskalation noch schnell stoppen, indem er eine Diskussionsrunde rund um das Thema „Deutsches Fernsehen“ vorschlug. Der Literaturkritiker nahm auch sofort an und so wird also am Freitag im ZDF die Sondersendung „Aus gegebenem Anlass“ ausgestrahlt, indem Reich-Ranicki mit Gottschalk über Qualitäts-TV und Unterschichtenfernsehen diskutieren wird. Die Sendung, die um 22.30 Uhr gesendet wird, wurde bereits am Mittwoch im Kurhaus Wiesbaden aufgezeichnet.

Der Literaturkritiker ging natürlich auch auf seine kleine Wutrede vom vergangenen Wochenende ein: „Ich hörte mir diese ganze Feier an und war entsetzt. Es wurden da kleine Fernsehausschnitte geboten mit irgendwelchen Clowns, irgendwelchem Unsinn, Blödsinn, Dreck, komplettem Dreck. Sowas wird in Deutschland gesendet jeden Tag. Die Fernsehdirektoren sagen, dass Publikum wünscht es, als wäre das Publikum eine Ansammlung von Idioten.“ Um die Öffentlich-Rechtlichen von den Vorwürfen auszuschließen, meinte Gottschalk sofort zu Beginn der Diskussionsrunde: „Die Intendanten von ARD und ZDF würden vielleicht sogar das Fernsehen machen, das Du forderst. Aber sie machen es nicht, weil sie wissen, dass Ihr dann unter Euch wärt.“ Mit „Wetten Dass“ mache er Fernsehen für die breite Masse: „Dafür werde ich vom Feuilleton in die Tonne getreten und von den Klofrauen geliebt“, so der Moderator. Die Intendanten der diversen Fernsehsender werden bei der Diskussionsrunde nicht anwesend sein. RTL-Chefin Anke Schäferkordt dazu: „Herr Reich-Ranicki würde aus gutem Grund ablehnen, mit Menschen über Literatur zu diskutieren, die keine Bücher lesen. Uns fällt es schwer, mit ihm über Fernsehen zu diskutieren, das er nicht schaut.“ Der Pöbel springt natürlich auf die angefachte Diskussion rund um Marcel Reich-Ranicki an. Was keiner bedenkt ist aber, wieso denn keiner arte, 3sat und Co. einschaltet, wer hindert sie daran? Einfacher ist es dann doch sich im Fahrwasser über das Fernsehen zu beschweren, im Gegenzug sich aber weiterhin diesen Mist anzutun. Zuschauer wollen nun einmal nicht immer nur hochintelligentes Programm sehen, wer das will, wird auf einem der vielen Sender definitiv etwas finden. Die Zuseher wollen einfach nur unterhalten werden. Allerdings ist es weitaus einfach etwas pauschal zu kritisieren, woran man sieht, dass Reich-Ranicki an einer echten Diskussion zum Thema nicht interessiert ist. Vielleicht war Reich-Ranickis Wutausbruch nur aus Verbitterung darüber entstanden, dass im Fernsehen wenig über Bücher geredet wird. Naja, auf jeden Fall ist es immer gut, auf etwas draufzuhauen, wovon man keine Ahnung und keinen Überblick hat. Die Masse will halt keine Sendungen über Bücher und Politik, sondern will leichte Unterhaltung in Telenovelas, Koch- und Courtshows. Wem das nicht recht ist, der kann ja auch Peter Lustigs Tipp folgen: „Abschalten“

SchnäppchenDealer

1 Comment on „Aus gegebenem Anlass“ – das erwartet uns in der Sendung

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