Rebecca Martin – Frühling und so – Leseprobe

Mittwoch, November 19th, 2008 3 Kommentare
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Sie behauptet von ihrem Buch, dass es schärfer als Charlotte Roches Bestseller „Feuchtgebiete” sei. Und dabei hat die in Berlin geborene Rebecca Martin, die aus einer britisch-australischen Künstlerfamilie stammt, noch das ganze Leben vor sich, denn sie ist erst 18 Jahre jung. Mit ihrem Buch „Frühling und so” aus dem Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag sticht sie wie schon Roche in die gleiche nicht immer ganz jugendfreie Kerbe. Dabei weiß man nicht wirklich, was die 18-Jährige tatsächlich erlebt hat und was erfunden ist. Im Buch erlebt die 17-jährige Raquel das wilde Teenagerleben und ist auf der Suche nach der großen Liebe eher an der „schnellen und dreckigen Liebe” hängengeblieben.

Dann tanze ich mit Tobias. Vielleicht flirte ich mit ihm, so genau weiß ich das nicht. Jedenfalls sagt er irgendwann »Das geht nicht, ich habe eine Freundin, und das wissen auch alle« und ich antworte irgendwas Blödes wie »Okay, dann tanzen wir halt«.

Später zieht mich Tobias nach draußen, in einen Hauseingang neben dem Club, und ich weiß, dass ich verknallt in diesen Typen bin. Tobias steckt einen Finger in mich. Ich atme aus. Ich frage mich, warum das alle Männer immer wieder tun, den Finger reinstecken.

Müssten sie nicht ahnen, dass das nichts bringt? Trotzdem kann ich mir grad nichts Schöneres vorstellen. Ich fummle an seinem Gürtel herum, sein Körper fühlt sich warm an. Tobias brummt.

Heute weiß ich, dass man Jungs nicht niedlich finden sollte. Denn niedliche Jungs trinken Wodka statt Wasser und betrügen ihre Freundinnen. So wie Tobias. Er brummt jetzt schon wieder. Er brummt meinen Namen, er brummt Raquel.

Klick zur GroßansichtIn meinem Kopf tanzen Knallbonbons. Das muss der Alkohol sein. Ein paar Hormone vielleicht. Er ist der niedlichste Junge auf Erden. Und er hat eine Freundin, die neun Jahre älter ist als ich, die er liebt, wie er sagt, deren Namen er mir nicht nennen will. Noch so ein Tick von Männern, oder geht es immer nur mir so?

Er brummt, und ich sage Arschloch und dann küsse ich ihn doch. Mein Kleid ist bis zum Bauchnabel aufgeknöpft. Die Knallbonbons tanzen jetzt nicht nur in meinem Kopf, sie tanzen in meinem ganzen Körper, auf meinen Lippen.

Tobias sagt, er wohnt um die Ecke. Seine Freundin ist in Köln, sie arbeitet beim Film als Garderobiere. Gar-de-ro-bie-re. Das möchte ich nicht werden. Wenn ich mir Anke und Miriam anschaue, macht es mich ein bisschen traurig. Immerhin sind sie beide schon knapp dreißig, aber sie benehmen sich wie 19-Jährige.

Wenn ich dreißig bin, möchte ich die Kostüme aussuchen, und nicht am Ende des Tages auf den Bügel hängen.


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3 Kommentare zu “Rebecca Martin – Frühling und so – Leseprobe”

  1. Sarah sagt:

    Rebecca Martin wir ihre erste Lesung zu »Frühling und so« geben

    Im: Edelweiss (Görlitzer Str. 1-3, Haus 2, 10997 Berlin-Kreuzberg) – http://www.edelweiss36.com
    Am: Donnerstag, 11. Dezember 2008, 20:00 Uhr
    Für: 2 Euro

  2. [...] sich Charlotte Roche und Rebecca Martin mit ihren Büchern „Feuchtgebiete“ und „Frühling und so“ nicht nur in die Bestseller-Listen nach ganz oben, die beiden Autorinnen öffneten mit ihren [...]

  3. [...] bei rumsabbeln treffend festgestellt: Dabei weiß man nicht wirklich, was die 18-Jährige tatsächlich erlebt hat [...]

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