probiotischer Joghurt – eine Werbelüge; fressen wir uns krank?

Mittwoch, September 17th, 2008 Kein Kommentar
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Klingt klasse: Margarine die deinen Cholesterinspiegel (was ist das eigentlich???) senkt, Gummibärchen, die die Abwehrkräfte stärken, Schokoladenpudding, der gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt.
Kurz: Nahrung mit Mehrwert, funktionelles Essen also. In den letzten Jahren fanden Nahrungsmittel für das Wohlbefinden (zum Beispiel probiotischer Joghurt) immer mehr Einzug in die Supermarktregale. Doch der Trend ist nicht wirklich neu, denn in Japan kennt man Functional Food schon länger. Seit über 15 Jahren gibt es hier ungefähr 100 Lebensmittel, die besonders angereichert sind und dadurch einen bestimmten Zusatznutzen haben. Nachweislich erkranken die japanischen Frauen im Vergleich weniger an Brustkrebs, als in Amerika oder Europa.

Doch liegt es wirklich am Functional Food, wie uns die Werbung weismachen möchte? Bei Aldi, Norma und Co findet man immer wieder Joghurts mit links- oder rechtsdrehenden Kulturen, angeblich mit nachweislicher gesundheitlicher Verbesserung. Doch Stopp, angeblich alles nur ein Werbegag. Wir wurden quasi an der Nase herumgeführt, denn es gibt keine unabhängige Studie, die den Nutzen von Functional Food beweist. Diese Nahrungsergänzungen dürfen keinen pharmazeutischen Anspruch stellen und dementsprechend werden sie auch nicht von Gesundheitsinstituten getestet, wie es die Werbung uns immer in schönen und bunten Spots verkaufen will. Dass die japanischen Frauen weniger an Brustkrebs erkranken, könnte weniger am Functional Food (bzw. Foshu, wie es in Japan heißt – Foshu: Food for specific health use; auf Deutsch: Essen für spezifischen Gesundheitsnutzen) liegen, sondern eher am sojareichen Essen. Nichts also mit den angeblichen nutzbringenden Versprechungen (“Aktivierung von Abwehrkräften”), wie es die Reklame verspricht. Functional Food kann sogar ungesunde Folgen mit sich bringen, denn die Nahrungsmittelzusätze gehen oft sogar den tatsächlichen täglichen Bedarf hinaus. Zuviel Calcium, das oft den “nützlichen Nahrungsmittel” zugesetzt ist, könnte zum Beispiel zu Verkalkungen der Blutgefäße führen. Selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont ausdrücklich: Funktionelle Lebensmittel können Ernährungsfehler nicht ausgleichen und auch sie sehen im Functional Food eine geschickte Werbestrategie, um die angereicherten Lebensmittel teurer an den Endkunden zu bringen. Auch die Zeitschrift “Ökotest” stellte 1999 eine niedrigere Konzentration in Joghurts fest.

Doch nicht nur für den Menschen gibt es immer mehr funktionelle Lebensmittel, sondern jetzt auch für den Hund, denn wie heißt es so schön: ist der Vierbeiner gesund, freut sich das Herrchen. Die Firma Dogswell erzielt mit ihrer Idee einen Umsatz von 500.000 Dollar im ersten Jahr und dieses Jahr wird ein Umsatz von mehr als 20 Millionen Dollar erwartet.

Die Markteinführung von Nestle LC1 galt als einer der erfolgreichsten Werbekampagne aller Zeiten und so kann für den Joghurt auch der dreifache Preis eines normalen Joghurts verlangt werden. Die Kunden kauften das überteuerte Zeug wie wild und im Hause Nestle kam man Anfangs mit der Produktion von LC1 gar nicht hinterher. Wichtig war den Kunden nur, mit etwas Leckerem auch nebenbei etwas “Gesundes” zu sich zu nehmen (ein Apfel hätte da sicherlich nicht geholfen). Alle waren also geblendet von der Werbung. Doch hat man als Joghurthersteller eigentlich Interesse daran, den Kunden zu erzählen, dass ihre Yoghurts und Drinks gar nicht sooo gesundheitsförderlich sind und eventuell sogar das Gegenteil bewirken.
Doch wieso sollte man hier Nachweise zur versprochenen Wirkungen im Hause Danone, Nestle und Co erbringen? Würden die Produkte halten, was die Werbung uns erklären möchte, müssten die Joghurts als apothekenpflichtige Arzneimittel deklariert werden, dürften nicht mehr in den Supermärkten verkauft werden und müssten umfangreich geprüft und zugelassen werden.


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