Premiere: Sensation geschafft
Die Grünen schaffen das, was noch keiner anderen deutschen Partei gelang und haben nun mit ihrem neuen Parteichef Cem Özdemir(79,2%) den ersten Parteichef mit Migrationshintergrund an ihrer Spitze. Neben ihm wurde auch Parteichefin Claudia Roth(82,7%) in ihrem Amt als Co-Parteichefin bestätigt. An der Wahl des 42 jährige Özdemir bestand auf dem Parteitag in Erfurt kaum ein Zweifel, obschon er bei der Listenaufstellung im Oktober zwei Niederlagen einstecken musste. Der „anatolische Schwabe“, wie er sich selbst nennt, wurde in Bad Urach (Kreis Reutlingen) als Kind türkischer Einwanderer geboren und begann wohl erst während des Studiums seine Muttersprache richtig zu lernen und sich mit seinem Migrationshintergrund zu beschäftigen. Seine politische Karriere begann mit dem Eintritt bei den Grünen 1981. Der ausgebildete Sozialpädagoge zog als erster Abgeordnete mit türkischen Wurzel 1994 in den Deutschen Bundestag ein. 1998 dann, wurde Özdemir innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion und machte sich vor allem auf dem Gebiet der Integration und Staatsbürgerschaftsrecht einen Namen.
Doch auch ein aufsteigender Stern am Polithimmel ist vor dem Fall nicht immer sicher. So brachten ihn 2002 die private Nutzung von dienstlich angesammelten Vielflieger-Bonusmeilen, als auch des umstritten PR-Beraters Hunziger, in allgemeinen Misskredit. Daraufhin verzichtete er auf den Wiedereinzug ins Parlament und zog sich für ein Jahr in die USA zurück, um dort sein politisches Comeback vorzubereiten.
2004 schaffte er dann den großen Coup und wurde ins Europaparlament gewählt, wo er als außenpolitischer Sprecher seiner Partei tätig war.
Nun ist Özdemir Parteichef der Grünen. Ob die Partei, durch ihn und Claudia Roth, nun fähig sein wird irgendwann wieder Regierungspartei zu werden steht zwar in den Sternen, ist aber nicht undenkbar.
Um seinen Willen nach Macht allen Delegierten auch klar zu machen, zog Özdemir seinen Integrationsjoker und punktete zum Abschluss seiner Rede mit den Worten: „Ich möchte für eine Gesellschaft kämpfen, in der alle mitgenommen werden. Egal ob sie aus Kasachstan kommen, aus Anatolien oder ob sie schon im Teutoburger Wald gegen die Römer gekämpft haben.“ Er bekam stehenden Applaus und alle vorherigen politischen Sünden waren damit vergessen.
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