Analogkäse und Co: Wie uns die Lebensmittelindustrie verarscht
Wie ja schon im Mai berichtet benutzten einige Bäcker und Pizzerien anstelle von echtem Kuhmilchkäse den so genannten Analog- oder Kunstkäse. Verkaufen den aber als richtigen Käse. Warum auch nicht. Nun hat die Verbraucherzentrale Hamburg eine Liste mit Produkten ausgegeben, welche fast ausschließlich aus nicht vollwertigen Ingredienzien (im Grunde Fake-Food) bestehen. Darunter sind auch namhafte Nahrungsmittelhersteller vertreten, für deren Produkte sogar Stars und Sternchen ihren guten Namen geben. Als Verbrauch hat man es heutzutage sowie so schon schwer sich bei den vielen unterschiedlichen E-Nummern halbwegs auszukennen. Dann wurde das Verpackungsgesetz aufgehoben. Und nun hört man, dass es Krebsfleisch-Imitat, Algenkonzentrat, Fischmuskeleiweiß und Formfleisch gibt, die uns gesunde uns vor allem vollwertige Produkte vorgaukeln sollen. Na lecker.
Und warum das Ganze? Na genau, es müssen Kosten gespart werden, und weil das so ist werden auf Originalzutaten verzichtet und auf billige Ersatzstoffe zurückgegriffen. Doch nicht nur die Billigmarken wird dies vermehrt beobachtet, sondern bei den teueren Markenartikeln.
So stellt die Firma Delacre die Mini-Kekse Bolde her, welche anstatt einer Schokoladenfüllung eine „Kakaocremfüllung mit billigem Schokoladen-Imitat“ enthalten, so Verbraucherschützerin Schwartau. Oder die Wasabi-Erdnüsse der Firma Lorenz, enthalten statt echten japanischen Meerrettichs (Wasabi) „minderwertige Zutaten wie Spirulinakonzentrat, Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff.“ Im Grunde könnte man auch den Chemiebaukasten seines Sohnes essen, da hat man wahrscheinlich mehr davon.
Doch so lange sich die Lebensmittelindustrie hinter den gesetzlichen Ansprüchen, wie der eindeutigen Kennzeichnung der Inhaltsstoffe auf der Packung, verstecken können, wird man diesem Treiben auch kein Ende setzten. Lorenz Bahlsen, Delacre oder Buitoni, ja auch der von Steffi Graf so sehr umworbene Pasta- und Pesto-Hersteller verwendet nur minderwertige Inhaltsstoffe, ist es doch egal wie sie ihr Geld scheffeln. So ein bisschen Lügen ist doch nicht schlimm. Die breite Masse ist doch dumm, die merken nichts.
So oder so ähnlich, vermute ich, denken die Macher in der Lebensmittelindustrie. Dabei kann ich nicht verstehen, dass diese Leute nicht verstehen, dass denen nicht klar ist, wenn man einen Kunden prellt, belügt und betrügt und dies dann auch noch rauskommt, wird der nie wieder etwas von dieser Firma kaufen. Gebietet doch die Logik. Wir werden sehen was draus wird.
Ich kauf jedenfalls nichts mehr von Buitoni, Bahlsen, Proback, Mucci, Fol Epi, Du darfst oder Delacre. Alles Verbrecher, meiner Meinung nach.
Hier noch eine kleine Liste der angesprochenen Produkte sowie anschließend die Defenitionen von Analogkäse und Formschinken:
Pesto Basilico, Buitoni
Vermisst wird: 100 Prozent Pesto (Pesto alla genovese) mit den original Zutaten wie Pinienkernen, Olivenöl Parmesan und/oder Pecorino.
Stattdessen drin: Billiges Sonnenblumenöl statt Olivenöl (Olivenölanteil laut Zutatenliste unter zwei Prozent), minderwertiges Cashewkernpulver statt Pinienkernen (laut Zutatenliste nur in marginalen Mengen vorhanden – unter zwei Prozent), kostengünstiger Hartkäse ersetzt zu drei Vierteln den Wert gebenden Pecorino (zwei Prozent).
Bio-Vollkorn-Toastbrötchen, Proback GmbH
Vermisst wird: Vollkorntoast-Brötchen mit Vollkornmehl hergestellt
Stattdessen drin: Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten, gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup.
Mucci Vanilleeis
Vermisst wird: Echte Vanille, 100 Prozent Milchfett
Stattdessen drin: Überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett, wie die Stiftung Warentest im aktuellen Vanilleeistest im Heft Juni 2009 ermittelt hat.
Fol Epi Nuss, Fromageries Rambol
Vermisst wird: 100 Prozent Käse
Stattdessen drin: Schmelzkäse. Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist zusätzlich mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalze (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt – bei Käse nicht erlaubt.
Mini Keks Bolde “Schoko”, Biscuits Delacre
Vermisst wird: Schokoladenfüllung im Keks
Stattdessen drin: Kakaocremefüllung mit billigem Schokoladen-Imitat, das unter anderem aus fettarmen Kakaopulver (3,7 Prozent), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt ist.
Wasabi Erdnüsse von Lorenz Bahlsen Snack-World
Vermisst wird: Wasabi („japanischer Meerettich“)
Stattdessen drin: Minderwertige Zutaten für den Geschmack: Algenkonzentrat, Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff.
Du darfst-Putensalat mit Joghurtdressing
Vermisst wird: 100 Prozent Putenfleisch
Stattdessen drin: Zusammengefügte Fleischreste: Das Fleisch im Produkt besteht nur zum Teil aus gewachsenem Putenfleisch, dazu kommt Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch.
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Hinweis: Die Graf macht, aber Werbung für Barilla ist. Aber deren Pesto Genovese ist von den Zutaten auch nicht besser:
Sonnenblumenöl, Basilikum, Cashekerne, natürliche Aromen, Grana Padano Käse, Salz, Pecorino Romano Käse, Zucker, natives Olivenöl (1 %!), Knoblauch und Eispuren.
Ich mach meine Pesto selbst. Da weiss ich was drin ist.
Grüße
Stephan
Vielen dank für diesen Superbericht, jetzt weiss ich wo ich dran bin, das alles braucht man nur noch für die Mülltonne.
Man muß eben doch auf regionale Angebote zurückgreifen, um die Herkunft und Zusammensetzung seiner Lebensmittel kontrollieren zu können. Keine Fix & fertig Produkte sondern lieber mal wieder selbst kochen und backen.
Die besten Grüße
Gisela und Heiko Hofmann
Ich kann den Hoffmann´s nur beipflichten, selberkochen, dann ist man relativ sicher, was drin ist. Ich bin selber Gastronom und kenne mich einigermaßen gut mit den Zusatzstoffen aus. Da mir mein netter Lebensmittelkontroletti einiges erklärt hat, schaffe ich es nun nahezu ohne Zusatzstoffe zu kochen. Geschmack sei dank…
Doch der Industrie könnte es beim Analog-Käse sogar mehr Umsatz bringen, wenn dieser nicht so verteufelt würde. Letztlich kann er aus natürlichen Stoffen hergestellt werden und ist dann für Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit genießbar. Meine Liebste hat sich immer gewundert, warum sie Tiefkühlpiiza verträgt und die vom guten Italiener nicht.
Die Deklarationspflich hat sicher dazu geführt, dass viele Gastronomen auf Zutaten mit vielen anzeigepflichtigen Zusatzstoffen verzichten (wer kennt nicht die endlosen Nummernketten auf den Speisekarten der nächsten Pommesbude) und somit auch die Industrie immer mehr solche Produkte herstellt. Bei meiner Mutter stand immer ein Glas Fondor (reines Monomatriumglutamat) im Regal. (Auch muttis dürfen mogeln…) Heute gibt es Geschmacksvertärker aus 100% natürlichen Zutaten.
Allerdings ist es nicht möglich immer alle Zusätze zu deklariere. Kaufe ich z.B. Kochschineken (für Hawaii-Toast) im Laden A hat dieser andere Stoffe als von Laden B und auch der gute Landmetzger wirft irgendwas hinaein, was deklariert werden muss. Also muss ich immer die gleichen Produkte im gleichen Laden einkaufen und kann nicht mal ein Spotanes Tagesmenu kochen und es auf meine Tafel schreiben, ohne meine Deklarationspflicht zu verletzen.
Also:
Augen auf, und wer etwas nicht verträgt sollte im Restaurant fragen. Und hat das Servicepersonal keine Ahnung (Ist in diesem Fall meistens so), den Koch rufen.
In vielen Fällen kochen die Köche in solchen Fällen gerne individuell.
Tja, stimmt soweit leider alles. Ist aber nach dem dt. Lebensmittelrecht alles legal (was m.E. nicht bedeutet, dass es richtig und rechtens ist). Es gibt eine Organisation, die solche “Verarsche” klar beim Namen nennt und bekämpft: foodwatch.